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Entwicklungen unserer Zeit erfordern neue Wege: Regionalisierung in der medizinischen Ausbildung

Die Entwicklungen unserer Zeit wie Digitalisierung, Ökonomisierung und medizinische Unterversorgung in ländlichen Regionen erfordern neue Wege, um die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung auch zukünftig flächendeckend aufrecht erhalten zu können. Das umfasst,

  • Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern,
  • Benachteiligungen im Gesundheitsbereich abzubauen und
  • bürgernahe und flächendeckende Versorgungssysteme zu gewährleisten

Dafür bedarf es einer übergreifenden Zusammenarbeit der Pflege- und Gesundheits-berufe in Klinik in Praxis über Städte und ländliche Regionen hinweg. Ein Ansatzpunkt ist, die Ausbildungsstrukturen auf diese Bedürfnisse auszurichten. Es ist eine große Chance, neue Wege in der Ausbildung angehender ÄrztInnen zu beschreiten.

Workshop zu Campus-Modellen mit internationalem Experten Professor Richard Hays
Das IMPP veranstaltete im Juni 2019 einen Workshop, um gemeinsam Lösungsstrategien zu überlegen. Professor Richard Hays, renommierter Experte in der Bildungsforschung mit internationaler Erfahrung bot dabei strategische Beratung und zeigte verschiedene Ansätze für Regionalisierungsmodelle auf.

Richard Hays, Professor of Medical Education, ist ein renommierter Experte in der Bildungsforschung mit Schwerpunkten in den Bereichen Psychologie und Medizin und umfangreicher internationaler Erfahrung. So war er sowohl an der Entwicklung diverser medizinischer Ausbildungsprogramme und Reformen als auch an Qualitätssicherung-Reviews beteiligt. Weitere Informationen: https://www.utas.edu.au/profiles/staff/health/richard-hays

An diesem Workshop nahmen VertreterInnen von vier Universitäten mit Campus-Modellen teil, um ihre Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen:

  • Studiengang "Humanmedizin Bonn-Siegen“
  • Klinischer Campus Braunschweig der Universitätsmedizin Göttingen am Klinikum Braunschweig
  • Medizincampus Mainz-Trier
  • Campus OWL: Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum mit Standorten in Bad Oeynhausen, Herford, Lübbecke und Minden
  • Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd)

Kollaborationen großer akademischer Zentren mit regionalen Krankenhäusern und Praxen bietet viele Chancen

Um aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden, bieten sich Kooperationsmodelle zwischen Universitätskliniken und kleineren regionalen Krankenhäusern an. Die Idee hinter diesem Modell ist, bestehende akademische Zentren durch Kollaborationen mit lokalen Partnern zu regionalen Netzwerken einschließlich Lehr- und Forschungspraxen auszubauen.

Diese Regionalisierung der Ärzteausbildung ist zukunftsweisend und bietet viele Chancen:

  • Verantwortung liegt weiterhin bei der Universitätsmedizin
  • Studierende lernen regionale medizinische Versorgung kennen
  • ermöglicht frühe Bindung zukünftiger ÄrztInnen auch an ländliche Regionen
  • abseits der großen Ballungszentren kann eine hochwertige medizinische Ausbildung und eine gute ärztliche Versorgung sichergestellt werden
  • Standortspezifische Profile bzw. besondere Schwerpunkte können gestärkt werden
  • Schwerpunkt-Curriculum Primärversorgung im Sinne des größeren Wahlpflichtbereichs durch den Masterplan Medizinstudium 2020
  • fördert interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen


Foto: Workshop zu Campus-Modellen

Ziel ist, Studierende fit für den ärztlichen Alltag zu machen
Professor Richard Hays betonte, dass eine klar definierte Zielsetzung für die medizinische Ausbildung, an der alle Akteure ihre Arbeit ausrichten, Ausgangspunkt und gemeinsamer Nenner sein muss. Hier waren sich alle TeilnehmerInnen einig: Ziel sei, dass – standortunabhängig – alle AbsolventInnen mit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung die bestmögliche Grundlage erreicht haben sollen, um sicher in den Berufsalltag starten und die fachliche Spezialisierung beginnen zu können.

Masterplan Medizinstudium 2020: Bedeutung von ambulanter Medizin und praxisnaher Ausbildung wächst
Auch im Masterplan Medizinstudium 2020 wird auf die zunehmende Bedeutung der ambulanten Medizin und der praxisnahen Ausbildung der Medizinstudierenden hingewiesen. Was zählt, ist eine medizinische Versorgung, die sich an den Bedürfnissen der PatientInnen orientiert und eine Ausbildung, die den Studierenden alle notwendigen Kompetenzen an die Hand gibt, um nicht nur sicher, sondern auch zum Wohle der PatientInnen und des Gesundheitssystems zu agieren.